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Geschichte

 

„Budo ist ein göttlicher Weg, gegeben von den Göttern, der zur Wahrheit, Güte und Schönheit führt; es ist ein spiritueller Weg, der die unendliche, absolute Natur des Universums und die endgültige Größe der Schöpfung widerspiegelt.“

 

Morihei Ueshiba

 

(Quelle: Aikido Today Magazine, #74 (März/April 2001), S. 25; eigene Übersetzung)

 

14.12.1883

Der Gründer des Aikido, Morihei Ueshiba wird geboren. Heute wird er von den Aikidoka "O-Sensei", der "Ehrwürdige Lehrer" genannt. Bereits als Kind bekommt Morihei Ueshiba konfuzianische Klassiker und buddhistische Schriften zu lesen.

 

Ab 1902

trainiert Morihei Ueshiba Ju-Jutsu und Ken-Jutsu. Später lernt er auch Judo.

 

1912

Morihei Ueshiba zieht mit seiner Familie nach Hokkaido. Dort bekommt er Unterricht von einem der letzten Samurai Japans: vom Schwert- und Daito-Ryu-Jujutsu-Meister Sokaku Takeda.

 

ca. 1915

Morihei Ueshiba entschließt sich dazu, als Ju-Jutsu-Lehrer zu arbeiten.

 

1919

Auf einer Fahrt zu seinem schwerkranken Vater begegnet Ueshiba jemandem, der ihm von der Omoto-Kyo, einer Shinto-Sekte berichtet. Ueshiba ist fasziniert von der Spiritualität der Sekte.

 

1920

Umzug der Familie Ueshiba nach Ayabe in das Hauptanwesen der Omoto-Kyo. Zwei Jahre später kommt auch Sokaku Takeda für ein halbes Jahr in das Haus der Ueshibas, wo er unterrichtet. Während dieser Zeit, und auch unter dem Einfluß des Omoto entwickelt Ueshiba eine fließende, schonende Form des Ju-Jutsu: das "Daito-ryu aikijujutsu". Der Schwerpunkt der Kampfkunst wird mehr und mehr verlagert: weg von der agressiven Auseinandersetzung hin zu der Idee, sich mit dem Angreifer zu verbinden und dessen eigene Kraft gegen ihn wirken zu lassen. Das Ziel ist, den Angreifer so wenig wie möglich zu verletzen, aber so nachhaltig wie möglich von weiteren Angriffen abzuhalten.

 

ca. 1927

O-Sensei geht mit seiner Familie nach Tokyo, wo er in Militärkreisen unterrichtet.

 

1931

Eröffnung des "Kobukan-Dojo". Es existiert noch heute und wird inzwischen als "Hombu-Dojo" bezeichnet. (In

der damaligen Zeit mußte man in Japan übrigens ein Referenzschreiben mitbringen, wenn man sich als neuer Schüler bei einem Lehrer vorstellenwollte.)

 

1931

Auf einem der Anwesen der Omoto-Kyo wird eine "Gesellschaft zur Förderung Japanischer Kampfkünste" gegründet. Sie bezieht sich ausdrücklich auf die Tätigkeit und die Techniken O-Senseis. 1933 wird O-Sensei Vorsitzender der Gesellschaft. Mit dieser Gesellschaft und mehreren Häusern der Omoto-Kyo hat Morihei

Ueshiba die Möglichkeit, seine Kampfkunst in ganz Japan zu verbreiten. Ein Weggefährte O-Senseis, einer seiner Cousins, unterrichtete sogar in der Mandschurei (damals von Japan besetzt).

 

1935

greift die japanische Regierung auf den Anwesen der Omoto-Kyo ein - schon zum zweiten Mal. Etliche führende Mitglieder werden verhaftet. Auch Morihei Ueshiba soll eigentlich verhaftet werden, hat jedoch Glück und bleibt verschont: einer seiner Schüler ist Chef der Polizei in Osaka und machtseinen Einfluß geltend. Die "Gesellschaft zur Förderung Japanischer Kampfkünste" kommt zum Erliegen.

 

1940/41

Aus dem "Aiki-Jujutsu" wird "Aikido" - jedenfalls fällt in dieser Zeit der Begriff "Aikido" zum ersten Mal.

 

ca. 1942

Im 2. Weltkrieg zieht O-Sensei nach Iwama, einem abgelegenen Ort nördlich von Tokyo in der Ibaraki-Präfektur. Dort unterrichtet er seine Kampfkunst, in die er jetzt auch verstärkt Waffentechniken einbaut. Und er beginnt, einen Schrein zu bauen.

 

1942

Kisshomaru Ueshiba (1921-1999), der Sohn O-Senseis, übernimmt das Hombu-Dojo in Tokyo. Er trägt den Titel "Doshu".

 

1944

ist der Aiki-Schrein in Iwama fertig.

 

1945

wird das Dojo in Iwama fertiggestellt.

 

1946

Zu den engsten Schülern O-Senseis kommt Morihito Saito (1928-2002) hinzu.

 

1950

O-Sensei ist viel unterwegs und unterrichtet in ganz Japan.

 

50er Jahre

erste Schüler O-Senseis machen sich "selbständig" und unterrichten im Ausland. Weitere Schüler nehmen Lehrstellen an Universitäten an und unterrichten dort Aikido. Zu dieser Zeit gibt es noch kein Graduierungs-System, so daß O-Sensei Dan-Grade auch nach gesellschaftlicher Notwendigkeit vergibt.

 

60er Jahre

Morihiro Saito beginnt, regelmäßig im Iwama-Dojo zu unterrichten und leitet schließlich auch den Betrieb. O-Sensei ist weiterhin viel auf Reisen, verbringt aber mehr und mehr Zeit in Tokyo: es geht ihm gesundheitlich immer schlechter.

 

16.04.1969

O-Sensei stirbt. Vor seinem Tod überträgt er die Verantwortung für das Dojo in Iwama und den Aiki-Schrein seinem Schüler Morihiro Saito. O-Sensei Morihei Ueshiba wird in Tanabe beigesetzt.

 

Morihiro Saito beginnt, das Repertoire der Techniken zu systematisieren. Er erkennt, daß es für viele Schüler schwierig ist, die Techniken lediglich durch Abgucken zu lernen. Daher läßt er in seinem Unterricht die Schüler Schritt für Schritt und Bewegung für Bewegung an einer Technik üben.

Das Waffen-Repertoire strukturiert er in längere Schritt- und Schlagsequenzen ("katas") sowie Partnerübungen.

 

1973   

bringt Morihiro Saito eine erste Serie von fünf Technik-Büchern heraus, die unter seinen Schülern als erste und wichtigste Quelle für "autentische" Technik gelten.

 

Morihiro Saito unterrichtet vermehrt im Ausland und nimmt auch ausländische Schüler in Iwama auf. Im Lauf der Zeit machen sich einige seiner Schüler ebenfalls selbständig und eröffnen weltweit eigene Schulen - orientieren sich aber weiter an O-Sensei und Morihiro Saito. Diese Orientierung nach Japan wird später als "Gütesiegel" für ein traditionelles Dojo gelten.

 

Obwohl Morihiro Saito O-Senseis Techniken nach einem eigenen Lehrsystem weitergibt, betont er bis zu seinem Tod, dem Aikikai verbunden zu sein.

 

04.01.1999

Kisshomaru Ueshiba stirbt. Sein Sohn Moriteru Ueshiba übernimmt das Hombu-Dojo und ist damit der 3. Doshu in der Geschichte des Aikido.

 

13.05.2002  

Morihiro Saito stirbt. Die Verantwortung für das Dojo in Iwama und den Aiki-Schrein geht offiziell über an das Hombu-Dojo - und damit zurück an die Familie Ueshiba. Einige von Morihiro Saitos engsten Schülern in Europa entschließen sich dazu, sein Unterrichtssystem an ihre eigenen Schüler weiterzugeben. (Für die neueren Entwicklungen in Deutschland und im Raum Frankfurt bitte hier [link zur "Rhein-Main"-Seite] nachschauen.)

 

November 2003

Hitohiro Saito, der Sohn Morihiro Saitos, trennt sich vom Aikikai. Er eröffnet in Iwama eine eigene Schule, in der er weitergibt, was er von seinem Vater und - noch als Kind - von O-Sensei gelernt hat. Seinen Stil nennt er "Iwama Shinshin Aiki Shurenkai". In Iwama gibt es jetzt zwei Gruppen, die getrennt voneinander annähernd dasselbe trainieren, jedoch nicht zusammenarbeiten.

 

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