Fallschullehrgang am 19.4.2015

Fallen, Rollen, Fliegen
Ein Sonntagsausflug für Einsteiger

Einen ganzen Sonntag lang Fallen. Fallen – wie soll das denn gehen? Keine Ahnung, was da auf mich zukommt, aber ich werde es einfach mal ausprobieren und mache mit, was möglich ist. Nach wenigen Wochen neu im Aikido Dojo der FTG in Frankfurt-Bockenheim wurde für einen Sonntagnachmittag im April ein Fallseminar angekündigt, in dem die Grundlagen des Rollens, Fallens und Fliegens geübt werden sollten. Zwischen den größeren „Fallblöcken“ sollte es auch Raum geben für Körperwahrnehmung und Vertrauensbildung.

Zum Glück wurde alles schrittweise aufgebaut: erst einmal langsam rollen. Hinstellen, nach vorne lehnen, Schulter und Oberarme zu einem Bogen spannen und langsam nach vorne kippen lassen. Nach einem Wirbel im und um den Kopf steht man auch schon wieder. Diese Grundübung wurde im ersten Block in allen Variationen durchgespielt: aus dem Stand, mit Schwung, vorwärts, rückwärts. Mit der Zeit werden die Bewegungen runder, dann wieder eckiger, aber es geht voran. Und vor allem: es macht Spaß. Rollen und Fallen schüttet Glückshormone aus, an die sich der Körper erinnern kann, habe ich mal gelesen. Wie schön, ich habe länger nach etwas gesucht, was das Gefühl eines Handstandüberschlags oder der Flugrolle aus dem Geräteturnen oder den 360 beim Snowboarden wieder aufnimmt.

Der Teil des Seminars zu Körperwahrnehmung und Vertrauensbildung erinnert mich dagegen eher an meine Zeit im Theater. Vor allem die Spiegelübung ist auch dort grundlegend. Man steht sich zu zweit gegenüber und legt die Handflächen aneinander als würden sie zusammenkleben, berührt sich jedoch nicht. Es ist, als wäre man durch eine schmale Glaswand getrennt. Beide bewegen ihre Hände, die Bewegung des Gegenübers wird spiegelverkehrt ausgeführt. Konzentriert versucht man, kleine Bewegungen und Richtungsänderungen des anderen früh zu erkennen und fast vorauszuahnen. Es ist der Versuch, das eigene Ich mit dem Anderen in Einklang zu bringen und dabei eine Balance zwischen Selbstbewusstsein und Außenwahrnehmung auszuloten. Etwas, das man im Theater ebenso braucht wie im Kampf.

Das Seminar endete mit Entspannung und Meditation. Wir ließen Lichtstrahlen durch unseren Körper fließen. Als dann weitere Chakra-Farben wie orange und grün folgen sollten, war ich etwas skeptisch und so blieb ich lieber bei der freundlichen Lichtkur. Es war ein schöner Sonntag.

Constanze Behr

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